Seebad Zempin

Die schmalste Stelle der Insel auf dem 4,5 km langen Abschnitt zwischen der östlichen Seite des Glienberges hinter Zinnowitz bis zu den Salzhütten

vor Koserow, am Fuße des dann allmählich aufragenden Streckelsberges, befindet sich bei Lüttenort, an der Rieck und ist nur 330 m breit.

Unmittelbar zwischen Bahnlinie und Rieck liegt hier das Atelier Otto Niemeyer-Holstein. Das stark gegliederte Anwesen nahe am Achterwasser in einem

Garten, der mit Plastiken und Skulpturen von Künstlerfreunden ein Beispiel meisterlicher Landschaftsarchitektur darstellt. In der Neuen Galerie ist eine

Vielzahl seiner Arbeiten zu sehen.

Ob mit der Bahn oder per Fahrrad auf dem Deichweg, erleben Sie immer wieder phantastische Blicke auf das Achterwasser.

Zempin gehört zu den ältesten Orten der Küstennähe und ist das kleinste Seebad an der Ostsee. Eine besondere Sehenswürdigkeit in der Nähe des

Strandes sind die alten Fischerhütten. Des weiteren befinden sich dort eine kleine Konzertmuschel und ein Sommerkino.

Die sich am Achterwasser befindenden Fischerhäuser stammen aus dem 17. Jh. und sind wirklich sehr eindrucksvoll. Trotz der neu entstandenen Häuser

konnte sich Zempin den Charakter eines Bauern- und Fischerdorfes erhalten.

Vom kleinen idyllischen Hafen aus genießen Sie die Aussieht auf das Achterwasser. Fischerboote, eine denkmalgeschützte Eiche, und das Vinetasymbol

in der Kapelle ergänzen die Idylle des Ortes. Empfehlenswert ist auch die Zempiner Fischküche und die alte Zempiner Schule “Olle Schaul“, darin befindet

sich ein Fischereimuseum.

Auf dem Radweg zwischen Zempin und Zinnowitz,

mitten im idyllischen Mischwald gelegen, findet man die Überreste einer Abschussrampe für die Flügelbombe V1. Zugeben, man muss schon etwas genauer

hinschauen, denn am Weg steht nur ein recht unscheinbares Hinweisschild. Das man doch recht leicht übersieht, wenn man kräftig in die Pedale tritt (oder

auch in die andere Richtung leicht bergab rollt). Auf alle Fällen hat das technisch versierte Auge meines Mannes, nachdem ich schon ca. 5x daran vorbei

gefahren war, doch noch die richtige Stelle gefunden. Vom Radweg war allerdings, außer dem Schild, nur eine Erdaufschüttung zu entdecken. Nachdem ich

mich nun in mein Schicksal ergeben hatte und den 6 Meter hohen Erdwall bezwungen hatte, konnte ich tatsächlich noch einiges an Betontrümmern erkennen.

Mein Mann sah allerdings weniger Trümmer, sondern eher die Reste eines Zeitzeugnisses.

So musste man zum Starten der V1 diese auf eine auf eine Anfangsgeschwindigkeit von ca. 350 km/h bringen. Das geschah durch den Start von einer

Schleuder. In Strandnähe im Zempiner Wald wurden 3 solcher Schleudern aufgestellt. Alle hatten einen Neigungswinkel von 6° und waren ca. 45 m lang. 

Die Fi 103 (V1) wurde mit Hilfe eines dampfbeschleunigten Schussbolzens auf die erforderliche Anfangsbeschleunigung gebracht. Sie flog dann in einer Höhe

von 300 bis 3000m mit einer Geschwindigkeit von ca. 650km/h in die Zielrichtung. Eine Richtungskorrektur nach dem Start war nicht mehr möglich. Nach dem

Erreichen der eingestellten Entfernung stürzte dann die Bombe auf das Ziel. Die Zielgenauigkeit war entsprechend gering, so dass die V1 nur für Flächenziele

geeignet war.

Im Küstenwald bei Zempin gab es insgesamt 3 solcher Feldstellungen. Jede einzelne bestand aus einer Schleuder, einem Richthaus und einigen

Nebengebäuden. Aus diesen Stellungen wurden die Flugbomben parallel zur pommerschen Küste in Richtung Danziger Bucht geschossen. Von vielen 

Beobachtungsstationen entlang der Küste konnte die Flugpan der V1 vermessen und verfolgt werden. Der erste Zempiner Start einer V1 fand am 26.10.1943

statt. Der Einsatz dieser Waffe gegen England erfolgte im Juni 1944 aus Stellungen an der französischen Kanalküste. Sie gilt als  Vorläufer der heutigen

„Cruise Missile“. Von den drei Feldstellungen sind hier noch die Reste der Feldstellung II  zu sehen. Man kann die Betonfundamente für das Katapult und den

Anfahrtsweg noch recht gut erkennen.